Auszüge aus den Interviews mit Ex-Sportlern

Zitate von Ex-Sportlern auf die Frage

"Wie beurteilst Du Deine sportliche Karriere ?"

6    Die Erfolge waren die eine Seite, die andere Seite ist, dass ich durch den Sport eine Art Weiterbildung erlebt habe. Ich weiß genau, das ich beispielsweise in der Oberstufe gewisse Hemmungen hatte, vor die Klasse zu treten. Als Sportler wird man sehr oft vor die Öffentlichkeit gestellt, muss ne Rede halten. Und ich glaube, daß sich meine Persönlichkeit durch den Sport... wesentlich weiterentwickelt hat. Dazu kommt die Weiterentwicklung z.B. in den Bereichen der Motivation, sich durchzusetzen, durchzubeißen, Niederlagen und Rückschläge abzufangen und daraus wieder die Kraft zu finden, Neues aufzubauen. Und ich glaube, dass es wahnsinnig viele Transfers vom sportlichen Bereich gibt, dann hinterher in den privaten oder beruflichen Bereich.

8    ... Ja, aus dem Sport lernt man sehr viel, es ist ne Lebensschule. Man glaubt es vorher vielleicht nicht, wenn man jung ist. Aber mein Vater hat immer von Anfang an gesagt 'das ist eine gute Schule', weil man kommt mit soviel Sachen in Kontakt, eben auch Tiefen zu verarbeiten. Höhen sind immer einfach zu verarbeiten, aber auch Niederlagen oder Enttäuschungen und daraus lernt man. Und man lernt auch den Umgang mit anderen Menschen und Disziplin. Man wird sehr früh selbständig und sieht ein bisschen die Welt - natürlich mehr die Skigebiete, aber man kriegt nen Eindruck. ...

13    Das ist das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte. Weil ich viel im Leben gelernt habe, weil ich dadurch viel kennen gelernt habe. Weil ich Glück hatte, Reisen zu dürfen, im Ausland leben zu dürfen, mit Niederlagen und Erfolgen umzugehen. Und weil es eigentlich Richtung weisend war für meine ganze Einstellung im Leben, zu mir selbst und zu dem, was auf einen eintrifft, des gesamten Lebens.

16    ... Ja, einfach, das Siegen zu wollen und zu können. Das ist einfach ein schönes Gefühl, das hat mich stark gemacht - selbstbewusst und stark. ... Erfolg ist immer schön, ganz gleich in welche Richtung. Und wenn man einfach so viele Jahre investiert an Zeit, an Kraft, an Nerven, dann ist es einfach wichtig, dass man mit Erfolg abschließt. Das war für mich ein Ziel. Die Schinderei, die ja wirklich eine ist - als Leistungssportler muss man ja extrem viel machen, sich in jedem Bereich gut vorbereiten - dann sollte irgendwann auch geerntet werden. Und drum ist für mich der Erfolg auch sehr wichtig gewesen.

17    ... Wir haben nun alle unsere Flüge noch selber gebucht, Du musstest Dich um das Hotel teilweise noch selber kümmern und, und, und ... Ich glaube, dass solche Sachen noch eher formen als heute, wo die praktisch ja gar nichts mehr selber machen müssen. Doch, dass hat mich sehr geformt, viel Selbständigkeit dadurch. Nee, hat mir viel gebracht.

19    ... Ich will den Sport nicht missen, weil der sicherlich auch menschlich zu meiner Entwicklung stark beigetragen hat, durch Erfahrungen, die ein sportarmes oder sportloses Leben sicherlich nicht hätte bieten können ...Ein gewisser Druck, mit dem man sich auseinandersetzen muss, Leistungsdruck und eben auch das Gefühl, eine gewisse Leidenschaft, die man sich bei einer Aufgabe, die man sich vornimmt, empfindet. ... Man muss lernen, auch in kleinen Schritten zu arbeiten oder in kleinschrittigen Erfolgen zu arbeiten, eine gewisse Geduld an den Tag legen (und erkennen), dass das nur ganz, ganz viele kleine Schritte - Rückschritte muss man auch akzeptieren - sind. Also aus kleinen Schritten, einen großen Erfolg zusammenzubauen.

25    ... Ja, schon so das zielgerichtete Arbeiten, sich im Jahr und über Jahre hinweg eine Aufgabe zu stellen. Und dann sukzessive, jeden Tag, jede Woche zu gucken, dass ich diesem Ziel näher komme. Das fand ich schon faszinierend, das ist heute was, was ich im Berufsleben manchmal vermisse. Du hast ja im Sport ja so eine schöne Jahresstruktur, was ja Viele vermissen - nachher wird das sehr schwammig im normalen Leben. ... und hab dann das für mich auch übergleiten lassen ins normale Leben, den Spitzensport.

26    ... Diese Disziplin, das zielstrebige Arbeiten, ständiges Motivieren, Überwindung von 'Ups and Downs'. Also Techniken lernt man dort - man wird da reingeworfen - man lernt sehr viel davon. Körperbewusstes Training, alles was so dazugehört.

27    ... der Sport und die Disziplin, die wir hatten, so wie wir erzogen wurden, das hat sich auch in allen Lebensbereichen für mich positiv niedergeschlagen. Bestimmte Ziele ehrgeizig anzugehen und was ganz Entscheidendes ist für mich gewesen, wo ich ne Motivation gefunden habe in dem Ziel, dann braucht sich keiner groß zu kümmern. Dann hatte ich das Ziel und dann habe ich auch was gemacht und konnte dann auch, wenn es nicht lief, mit der Niederlage oder dem Nichterreichen des Zieles relativ gut und schnell abschließen, wenn ich zu mir selber sagen konnte 'ich hab das Beste versucht, mehr ging nicht, ich muss akzeptieren, wenn andere besser waren' und konnte das Verarbeiten. Diese Dinge kann man auf alle Lebensbereiche umsetzen. Deswegen sage ich kurz und bündig, daß dich der Sport in allen Bereichen prägt, nicht nur in deiner Disziplin.

35    Positiv, erfolgreich. Sehr zufriedenstellend für mich. Hat zu meiner Persönlichkeitsbildung beigetragen. Als junger Mann war ich sehr schüchtern, gehemmt - bin dadurch relativ selbstbewusst geworden.

Zitate von Ex-Sportlern auf die Frage

"Inwiefern helfen Dir die im Leistungssport gemachten Erfahrungen für Dein heutiges Leben ?"

1    In fast allen Bereichen. Ganz gleich ob es um das Durchsetzungsvermögen geht oder um die Ausdauer, die man für manche Dinge braucht. Egal, ich glaube, dass die sportlichen Erfahrungen ein späteres Leben in allen Bereichen prägt und förderlich ist. ...

3    I denk sicher, von dem her (Ausbildung) und (Sport) zu verbinden, die Zeiteinteilung. Dann, dass man manche Dinge einfach durchziehen gelernt hat. Dass man das 'Wegstecken' gelernt hat. Ich mein Niederlagen gibt es nachher später genauso im Privatleben, da weißt Du eher das zum Verarbeiten. ...

4    ... Und da hat mir das schon geholfen, die ganze Situation (Vortrag), dass Du sagst, 'ich konzentrier mich jetzt auf des und was anderes interessiert mi ned'. Das hob i ja ois vom Sport. ...Aber ich hab mir das einfach von dem (Sport) rausgenomma und überlegt, 'was hamma da gemacht' und kann das jetzt schon brauchen. Spannen, entspannen, das mache ich jetzt auch. Und positives Denken ... ob ich das jetzt im Geschäft oder als Hausfrau anwend, ist egal. ...

5    Ja, unheimlich viel. Einmal Disziplin, auch in der Einschätzung Deiner Partner gegenüber. Es ist unwahrscheinlich wichtig mit einer Zielstrebigkeit, Projekte durchzuführen. Auch in der Frage, Dinge zu tun, die einfach als unnötig erscheinen als Pflicht zu machen. - Eigentlich nur !

7    ... Dann Durchhaltevermögen, da würde ich mich schon weiter vorne einordnen gegenüber den anderen Kollegen. Und, dass ich hart gegenüber mir selbst bin, also wenn ich Fehler mache, dann sage '... das war Scheiße, das war Dein Fehler, halt Dein Hirn zusammen, das darf Dir nicht passieren'. ...

8    Die Disziplin, die Selbständigkeit, vielleicht auch das Selbstvertrauen, dass man durch den Sport aufbaut, oder ohne das es auch nicht geht in der Wirtschaft. Und auch der Umgang mit Menschen. Man hat mit vielen verschiedenen Typen in verschiedenen Sparten zu tun gehabt - ob es Journalismus ist oder Trainer oder Konkurrent - das hilft.

10    ... Was man vielleicht noch ergänzen könnte, wäre Durchhaltevermögen, die Zähigkeit und Zielstrebigkeit. Der Umgang mit Niederlagen, mit Tiefschlägen, ganz sicher, aber auch die Disziplin, die Selbstdisziplin, mit der berufliche Aufgaben, natürlich auch Aufgaben in der Ausbildung, also Lernen, erreicht werden können. Wenn man ganz einfach gewohnt ist, zielstrebig und diszipliniert zu arbeiten. Das hat mir sehr geholfen. ... Der Anspruch an sich selbst, also schon ein hoher Leistungsanspruch, dass was man tut, möglichst gut auszuführen, sein Bestes zu geben, um im sportlichen Jargon zu reden, hab ich zu einer Maxime in meinem Leben gemacht.

11    Ja, sehr viel. Hauptsächlich, dass man in haarigen, schwierigen Situationen halt gelassen bleibt. Das einen nichts so schnell mehr aus der Ruhe bringt, dass man eher mit Stresssituationen umgehen kann. Gerad so (im Beruf), wenn einfach etwas nicht so läuft, dann werd i dann nicht so nervös. Ich sehs halt an meinen Partnern, die werden so richtig nervös. ...

12    ... Also die allgemeine Lebenserfahrung, dieses ein-Ziel-haben. Jemand, der im normalen Beruf steht sagen zu können 'was heißt Konsequenz, was heißt n Ziel haben, was heißt Durchhaltevermögen, was muss ich tun, damit ich auch Dinge realisiere ?' ... du musst gesund im Kopf sein, dass du auch große Ziele oder auch große Leistungen realisieren kannst. Und fürn Beruf ist - wahrscheinlich die Gewichtung andersrum wie es bei uns im Sport ist. Du musst klar im Kopf sein. ... Das andere ist, Dinge zu planen oder Doppelbelastungen unter einen Hut zu bringen. Das gibts ja auch, Gott sei Dank, immer mehr Frauen, ja gute Frauen, die ham unwillkürlich a Doppelbelastung, wenn sie sich nicht nur fürn Beruf, sondern auch für Familie entscheiden. Und das ist auch, was ich übertrage mit Studium und Leistungssport - Doppelbelastung. Das sind so Parallelen, aber das Wichtigste ist sicher konsequent sein, fleißig sein, Ziele setzen, um das (Ziele) erreichen und wirklich täglich abarbeiten. So wie n Trainingsplan - wenn du nen Trainingsplan machst, und da steht halt 200 Situps drin am Tag, dann machst halt ned 150 und nicht 500, sondern dann machst die 200. ...

13    ... Du hast ne bestimmte Einstellung zu Dingen, die mit Fairness, mit Durchsetzungsvermögen, die mit Disziplin zu tun haben. ... Wenn du verloren hast und du gibst deinem Gegenüber mit Überzeugung die Hand, weil du der Meinung warst, die war besser oder der war schneller, dann hat das ja war mit deiner Einstellung zu dir selber zu tun und so gehst du auch durchs Leben. Und da hat mir Sport megaviel beigebracht.

14    Sehr viel, weil z.B. wenn lange Verhandlungen sind oder wenn man in einem Meeting ist, dass ich dann Kondition hab. Ich hab viel Erfahrung unter Druck, den Umgang mit Druck kann ich ganz gut. Disziplin hab ich ganz gut, wenn ich z.B. morgens um 6.00 raus muss ... dann pack ich das auch. ...

16    Ja, einfach diese Disziplin, dieses Ziel setzen, die Vision haben 'da will ich jetzt hin und so soll das ausschauen und so möcht ich das haben'. Das kommt vom Leistungssport.

18    ... Sport ist ja das Leben. Sport ist ja nicht, was nebenan irgendwo spielt und nichts mit dem Leben hier zu tun hat. Sport ist sehr viel extremer noch als das normale Leben und wenn du da die wichtigen Mosaiksteinchen mit rausnimmst, die du für das andere Leben mit brauchst, dann biste ja dabei. Das ist die komplette Palette eigentlich (an Eigenschaften). ...

19    Ja, da kann ich ruhig nochmal auf diese Kleinschrittlichkeit zurückkommen. Denn du kannst nicht schnell mal einen Erfolg landen, man muss in kleinen Schritten arbeiten. Man muss Geduld haben, was zu erreichen. Im Beruf erreicht man ja sowieso nicht die Riesenerfolge wie im Sport, wie man sie aus dem Sport gewohnt ist. ... Aber diese Kleinschrittlichkeit kann man trotzdem vom Sport übernehmen. So mit kleinen Schritten etwas aufbauen. ...

20    Ich hab 2 Dinge bestimmt nutzen können. Das eine ist strategisch arbeiten, so wie man lernt, das Training hinsteuern zu einem Wettkampf. Und das andere ist, belastbar zu sein in Stress-Situationen. Das ist das, was ich für mich nutzen kann, was richtig gut ist. Zwei Kernpunkte.

24    Ich denke, es hat mir insofern geholfen, dass ich einfach relativ geradeaus gehe. Ich denke, mich ganz gut einschätzen zu können 'was kann ich, was kann ich nicht'. Und ich kann mich in eine Sache ganz gut rein(ver)setzen, ich kann mich in ein Problem reinwerfen, ich kann mich damit beschäftigen und ich kann bis zum Umfallen arbeiten. ... Der Sport hat mir geholfen, powern zu können und auch andere anzuspornen 'los jetzt kommt weiter', so ein bisschen zielorientiert (zu sein).

25    Ja, bei der einen Arbeit helfen sie mir natürlich schon sehr. ... Andererseits ist diese Zielstrebigkeit klar definiert und das hilft schon. ... weil ich im Sport natürlich auch sehr definiert, sehr zielgerichtet gearbeitet habe. Dort hat man eine sehr exakte Rückmeldung wie im Sport ... Leistungssport ist da schon eine gute Schule. ...

26    Sehr viel. Die Zielstrebigkeit, immer aufs Neue die Sache anzugehen - auch wenn man demotiviert ist. Sich einfach am Riemen zu reißen und sagen 'jetzt erst recht'. ... Ja, es gibt ja Situationen, wo man nicht weiterkommt, wo man verletzt ist, körperlich nicht weiter kommt und wo man einfach eine gewisse Zeit braucht, um einen Neuanfang zu finden. Das sind halt so Dinge, die man aus dem Sport kennt. Man darf nie den Glauben an sich selber verlieren.

27    Die helfen mir eigentlich zu 100% in allen Bereichen. Einmal der Umgang mit Menschen, jetzt habe ich 2-3 unter mir und die ich führen soll. Hab ich als Sportler auch als Kapitän gehabt in den verschiedensten Formen. Andererseits muss ich mich wieder unterordnen in bestimmten Dingen, das habe ich im Berufsleben ja auch. ... Wie gesagt, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit ist das, was man als Sportler haben muss, um Erfolg zu haben in meinem Metier. Das ist das, was man im Berufsleben auch (haben muss).

28    Ja gut, dass du als Einzelkämpfer auch im Berufsleben Ellbogen zeigen kannst, dass das manchmal sehr von Nutzen sein kann. Ich weiß, dass selbst Erfolg von sehr kurzer Dauer sein kann, d.h. du kannst dich auf dem Erfolg auch nicht ausruhen, den du errungen hast. Das Bedürfnis, sich selbst immer wieder beweisen zu wollen, motiviert einen natürlich auch. ... Weil am Ende ist der Sport der Beruf gewesen, in dem man sich auch wirklich durchsetzen musste, um was zu erreichen. Das kann man natürlich auch im Berufsleben mit rübernehmen, nur dass der Zeitaspekt viel, viel größer ist. ... Und da ist es wiederum spannend dazuzulernen und sich da halt auch durchzusetzen.

29    In meiner Arbeit handele ich nach wie vor noch sportlich - ich habe Pläne, ich habe Zwischenprüfungen, ich habe Finals mit meinen Events, ich hab eine Nachbereitung, ich muss mich regenerieren, um wieder fit zu sein für Neues. Das ganze Leben bleibt sportlich, also so wie ich es auch vorher ... gemacht habe. ...

32    (harte Arbeit) Da denk ich mal hat der Sport auch geprägt, dass man einfach da das Durchhaltevermögen (hat) und einfach zu sagen 'Junge, halt durch, halt durch'. Das hat schon geprägt. Nicht umsonst haben mir einige mir gesagt, sie hätten das nie so geschafft in der Art und Weise. ... Ich glaub, da muss schon ein bisschen Ehrgeiz haben, ein Sportlerherz haben, um einfach zu sagen 'komm Junge, das packst du jetzt'. War schon teilweise schwer, hab dann oft 'Scheiße' geschrien, aber im Endeffekt bist du ja in einer Lage, wo du gar nicht anders kannst. ...

34    Man hat das im Leistungssport gelernt, um einen gewissen Erfolg zu haben, kontinuierlich und zielstrebig - zwar nicht immer 100%ig - hinarbeiten muss. Und dass es natürlich auch Erfolge und Misserfolge gibt und dass man sich durch Misserfolge ned zu arg demotivieren (lassen) darf. Man muss auch nach einem Misserfolg au wieder weiterarbeiten, einfach, dass es weitergeht. ...

36    Sehr viel. Gerade, wenn man ein Projekt nicht bekommt oder abgesagt bekommt, dann hilft es sehr viel drüber hinweg, dass man auch als Leistungssportler nicht ... jeden Wettkampf gewonnen hat. Man kann mit Niederlagen viel besser umgehen, man ist ehrgeiziger als andere Menschen.

37    ... Die Erfahrung, mit Niederlagen zurechtzukommen, mit Druck, mit Stress, mit Leuten, die einem nicht lieb sind, mit denen man nicht zurechtkommt. Alles halt - da lernt man fürs Leben. Durchsetzungsvermögen muss man im Sport schon früh lernen, Kampfgeist.

Autorin
Eva Pfaff, mail: eva-pfaff@web.de