Felix Magath

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ANSPRACHE DER FUSSBALLER

Wie sprechen Sie Ihre Spieler an?

Die Antwort auf die Frage fällt mir schwer, weil ich mich davor hüte zu verallgemeinern. Die Situationen in einer Fußball-Mannschaft ändern sich ständig und daher muss man sie flexibel handhaben. Als Trainer ist man von Spielern abhängig, die sich sowohl sportlich als auch persönlich in einem Entwicklungs- und Veränderungsprozess befinden.

Welche Einflüsse meinen Sie dabei?

Die Spieler leben in einem sportlichen und privaten Umfeld und sind vielfältigen Einflüssen ausgesetzt. Zu den Unwägbarkeiten, mit denen ich als Trainer zurecht kommen muss, gehören z.B. Krankheiten, Verletzungen oder auch private atmosphärische Störungen wie Liebeskummer. Aufgrund dieser vielfältigen Einflussfaktoren kann ich mit einer Fußballmannschaft lediglich kurzfristig(er) planen, manchmal nur von Tag zu Tag.

Fußball sei das komplizierteste Spiel überhaupt. Anders als beim Schach, sind die Fähigkeiten der Figuren, bzw. der Spieler sehr unterschiedlich. Grundsätzlich beobachte ich die Spieler und bewerte: „Was kann ein Spieler, was macht er, wie und wo ist er am besten in ein System einzugliedern?“ Aus diesen Erkenntnissen entwickeln wir das Spielsystem einer Mannschaft.

ZUSAMMENFÜHREN DER INDIVIDUEN

Spielt es für die Zusammenarbeit eine Rolle, ob Sie und die Spieler viel Zeit miteinander verbringen und ob sie sich menschlich verstehen?

Menschliches Verstehen ist ein hehres Ansinnen, das man im Fußball – selbst bei einem kleinen Kader von 24 Personen – kaum hinbekommt. Dazu haben wir einfach zu viele unterschiedliche Spieler in unserer Mannschaft. Bei Schalke 04 spielen z.B. ein Südamerikaner, ein Grieche und ein Kroate, um nur einige zu nennen. Das sind so verschiedene Mentalitäten und Kulturen, dass neben den sprachlichen auch andere Schwierigkeiten auftreten.

Dann wirkt Fußball als verbindendes Element?

Der Fußball und seine Regeln reichen dazu nicht. Mit Team-Regeln, die für alle gleich sind, erreicht man eine größere Akzeptanz untereinander. Sie dienen als verbindendes Element, und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Diese Regeln gebe ich vor und meine, sie sind für junge Menschen hilfreich, und dieser Rahmen gibt ihnen Sicherheit.

Leistungssport 2/2010