Ski Alpin: Wolfgang Maier über Teamarbeit & Sportpsychologie

Arbeiten im Team

Wie schaffen Sie es als DSV-Sportdirektor, die Trainer zu einem Team zu formieren ?

In der Zusammenarbeit mit den Trainern des Bereich Ski Alpin haben wir einige neue Regeln aufgestellt: Einerseits wurden gemeinsame Ziele, eine offene Kommunikation und gemeinsame erarbeitete Strukturen installiert. Andererseits möchten wir die im Leistungssport üblichen hierarchischen Strukturen aufweichen. D.h. ein Nachwuchstrainer darf nicht weniger, aber auch nicht mehr wert sein als ein Weltcup-Trainer; denn alle müssen sich und ihre Kompetenzen in den Dienst des Athleten und seiner Leistungsoptimierung stellen. Der Trainer ist ein Dienstleister.

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Welche Vorstellungen haben Sie von einem guten Arbeitsklima ?

Ein gutes Arbeitsklima erfordert eine gewisse Reife sowie ein hohes Niveau an Vertrauen und Selbstkritik. Dazu gehört beispielsweise, einen Fehler zu machen, ihn zu erkennen und daraus Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln um Missstände zu beheben. Durch  einen offenen und ehrlichen Umgang entsteht ein gutes Miteinander. Wenn Trainer oder Athleten Fehler eingestehen und auch Lösungen aufzeigen, bekommen sie meiner Ansicht nach hohe Akzeptanz und gewünschtes Feedback. Ohne Feedback kann man sich nicht weiterentwickeln, es sei denn, man ist und möchte nur Befehlempfänger sein. Aber wenn man kreativ und verantwortungsvoll an einem Thema weiterarbeiten möchte, braucht man Feedback um sich regulieren, anpassen und entwickeln zu können.

Wie sieht Teamarbeit für Sie aus ?

Ich würde gerne von den oft noch im Sport üblichen autoritären Strukturen wegkommen. Ich möchte erreichen, dass ein Trainer-Team sich in erster Linie mit der zu lösenden Aufgabe auseinander setzt und identifiziert. Aufgaben müssen den Fähigkeiten und dem Potenzial der Mitarbeiter zugeteilt werden. Die Trainer müssen für die Weiterentwicklung des Sportlers da sein, nicht der Sportler für den Trainer. Im Vordergrund für jedes Trainer-Team sollte immer die Ausbildung unserer Sportler in einer gewissen Ganzheit stehen.