Tennis: Toni Nadal über die Arbeit mit Rafael Nadal

INTENSIVES TRAINING

Ich durfte Ihr Training einige Zeit beobachten. Mir sind die Intensität und die ständige Kommunikation aufgefallen.
Es gehört zu meiner Arbeit, das Training in jedem Moment zu beobachten und darüber zu reden. Ich finde es wichtig, mit Rafael zu kommunizieren. Dabei spreche ich nicht nur über Technik oder Taktik, sondern ich rede von einer Idee: „So müssen das machen“ oder „In diesem Moment hast Du das nicht genug gemacht“.

Ich hatte den Eindruck, dass Sie jede Bewegung und jeden Ballwechsel beobachten und kommentieren. Was bewirkt das ?
Seit Rafaels Jugend haben wir immer mit sehr großer Intensität gespielt. Er ist es gewohnt, dass ich direkt dran bin und laufend Feedback gebe. Dadurch erreichen wir eine hohe Konzentration und eine große Intensität im Training. Anfangs habe ich als der Ältere mehr geredet. Aber da ich Rafael immer mehr Verantwortung übertragen habe, tauschen wir uns inzwischen im Training aus und diskutieren gemeinsam über Verbesserungen und seine Entwicklung.

COACHING INNERHALB DER FAMILIE

Sie sind Trainer, Mentor, haben eigene Erfahrungen als Tennisspieler. Welche Bedeutung hat es, wenn man als Onkel ein Familienmitglied trainiert ?
In meinen Augen ist es einfacher, meinen Neffen zu trainieren, als mit einem anderen Spieler zusammen zu arbeiten. Als Onkel habe ich einen direkteren Zugang zu ihm, es herrscht mehr Offenheit und Nähe, um Rafael als Persönlichkeit zu entwickeln.

Wie wirkt sich Ihr Verhältnis auf Ihre Arbeit und Einstellung aus?
Mein Interesse und Engagement als Coach für meinen Neffen ist sicher größer als es bei einem anderen Spieler wäre. Mit einem Fremden würde ich für Geld und sehr professionell arbeiten. Aber die Arbeit mit Rafael ist quasi eine Herzensangelegenheit. Ich identifiziere mich ganz und gar mit ihm als Persönlichkeit und erlebe alle Erfolge – aber auch Misserfolge und Probleme – in einer anderen Qualität mit.

Quelle:
Pfaff, E. (2015). „Wir arbeiten niemals nach einem strukturierten Plan !“. Leistungssport, 45 (1), P. 39-42.

www.leistungssport.net