Kunstturnen: Ulla Koch zum Aufschwung der Deutschen Damen

In den letzten Jahren hat das deutsche Frauen-Turnen einen tollen Aufschwung genommen, sodass das Team bei Olympischen Spielen startet und zur Weltspitze gehört. Wie kam es zu dieser Leistungsentwicklung?

Die Studie von Brüggemann und Krahl (2000) „Belastungen und Risiken im weiblichen Kunstturnen“ (s. Infokasten) hat uns deutlich gemacht, dass wir in der Belastungsgestaltung neue Wege gehen müssen. Die Erkenntnisse stellten die Basis für eine gezielte Neuausrichtung im Frauen-Turnen dar. Im Nachwuchsbereich haben wir den technischen Bereich verändert und die athletischen Normen wurden angepasst.

Welchen Anteil hatten Sie daran?

Zu diesem Zeitpunkt war ich Heimtrainerin und u.a. Vorsitzende des Technischen Komitees im DTB und insofern an den Untersuchungen und Auswertungen für die Trainer beteiligt. Es kamen Fragen auf wie: „Was machen wir jetzt für Programme und wie setzen wir es um?“. Seit 2002 werden neue Erkenntnisse stetig eingearbeitet.

Wie setzen Sie diese Erkenntnisse in den Trainingsprozess um und welche Aspekte haben sich (sichtbar) verändert?

Aufgrund der Studie haben wir versucht, das Grundlagentraining zu verbessern und Schwerpunkte in der technischen Ausbildung und vor allem in der Kraftentwicklung zu setzen. Durch die Aufstockung des Krafttrainings hat sich auch der Turnerinnen-Typ verändert. Unsere Turnerinnen sind heutzutage zwar schlank, aber nicht mehr zierlich, zerbrechlich, sondern haben einen muskulöseren Körperbau.

Solche Veränderungen geschehen weder von einem Tag auf den anderen noch ohne intensives Zutun. Welche Schritte gehörten dazu?

Wir haben versucht, die ganzen Erkenntnisse zusammenzubauen. Das beinhaltete u.a. eine Konzentration auf den Nachwuchs und das Ansinnen, viel mehr Olympiastützpunkte (OSP) mit ins Boot zu holen. Die Zusammenarbeit mit den Stützpunkten wurde optimiert und professionalisiert, und mit den Erfolgen bekamen wir mehr Geld bzw. mehr Unterstützung.

Was bedeutet „mehr Unterstützung“ konkret?

Das Frauen-Turnen hat sich zur Schwerpunktsportart entwickelt und das Mehr an Unterstützung betrifft die Kooperation mit Spezialisten aus verschiedenen Bereichen. Mir war es wichtig, die Praxis mit wissenschaftlich begründeten Inhalten z.B. aus der Biomechanik anzureichern und mehr Untersuchungen für das Turnen anzuregen. Insofern kam mehr Wissen(schaft) von außen dazu und ich habe versucht, aus dem Ganzen ein Team für das Frauen-Turnen zu formen.