Tennis: Als Profi auf Tour – Echte Freunde sind selten 

Für viele Berufstätige ist es einen Selbstverständlichkeit, für den Tennisprofi dagegen ein Fremdwort: ein geregelter Tagesablauf. Acht bis zehn Monate im Jahr lebe ich praktisch aus dem Koffer. Heute hier, morgen da, oft große Zeitsprünge, ständig aufs neue akklimatisieren – das ist nicht immer einfach.

Meinen Turnierkalender stelle ich mir selbst zusammen. Da sind zunächst einmal die Grand-Slam-Turniere, Paris, Wimbledon, Flushing Meadow und Melbourne – die sind gewissermaßen Pflicht. Dann entscheide ich mich meist für Turniere, bei denen ich als angreifende Spielerin Vorteile habe.

Melbourne, Australien – Kooyong-Stadion

Die wenigen freien Tage dazwischen verbringe ich zu Hause in Königstein bei meiner Familie und mit meinen Freunden. Denn: Auch wenn man wochenlang mit denselben Kolleginnen unterwegs ist, gemeinsam trainiert und miteinander in viele Restaurants essen geht, echte Freundschaften unter Tennisprofis sind sehr selten.

Alle sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, konzentrieren sich ausschließlich auf ihr Tennisspiel. Und oft erschwert eben auch Konkurrenzdenken engere Kontakte. Deshalb ist auch das Training während einer Turnierserie ein Problem. Zum Aufwärmen wird man ständig mit verschiedenen Spielerinnen eingeteilt, von denen freilich keine technischen Hilfen zu erwarten sind.

Auszeiten – Ausflüge

Um dem Turnierstreß wenigstens zeitweise zu entfliehen, genehmige ich mir hier und da einen Ausflug. Auf den Turm des Ulmer Münsters auf die Sonnen- und Mondpyramiden bei Mexiko City oder auf den Eiffelturm in Paris. Schließlich hält auch Treppensteigen fit. Aber auch Kitzbühels Streif zu erkunden, ist eine willkommene Abwechselung.

Meine Sightseeing-Touren sind freilich vom Erfolg abhängig. Je besser es bei einem Turnier für mich läuft, desto weniger Zeit habe ich für Ausflüge. Gewinnen ist mir natürlich wichtiger, da nehme ich es gern in Kauf, ein bißchen weniger zu erleben. Denn vom Erfolg hängt schließlich alles ab.

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Schwächere Spielerinnen können sich keine guten Hotels leisten, fliegen früh aus dem Turnier und das Preisgeld reicht dann kaum, um die Spesen zu bezahlen. Viele sehen immer nur die gewaltigen Summen, die eine Martina Navratilova oder eine Chris Evert-Lloyd verdienen. Doch das sind die Ausnahmen.

Einnahmen vs Kosten

Wer in der zweiten Runde eines Turniers aussteigt, kassiert je nach Güte der Veranstaltung zwischen 1500 und 2500 Dollar. Davon müssen sämtliche Kosten wie Flug, Hotel und Verpflegung beglichen werden. Und billige Charterflüge sind kaum drin, da der Turnierausgang ja nicht vorhersehbar ist. Außerdem werden ja auch noch kräftig Steuern abgezogen.

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Eigenverantwortung – Unternehmerin

Ich will hier nicht den Eindruck erwecken, das Leben als Tennis-Profi sei eine Last, ja gar eine Qual. Es macht mir, und es macht allen Kolleginnen gehörigen Spaß. Deshalb nehmen wir auch oft etwas mehr Hektik in Kauf. Nur: wirklich reich werden dabei die wenigsten.

Vielleicht könnte auch ich mehr Geld verdienen, wenn ich einen Manager hätte, doch ich bin lieber meine eigene Herrin. Schläger bespannen, Wäsche waschen, Reiseplanungen – das alles erledige ich lieber selbst. So bin ich bewußt Unternehmerin, Angestellte und Sekretärin in einer Person, denn in jeder Beziehung bin ich dann nur für mich allein verantwortlich.

Pfaff, E. (1985). Echte Freunde sind selten. FNP, Davis-Cup Beilage


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