Psychologie: Der Mensch als Mittelpunkt der Strukturen – Teil 3

Im deutschen Sport und im deutschen Bildungssystem wird schon seit einiger Zeit nicht nur über mangelnde Erfolge der Sportler, sondern auch über verminderte Leistungen der Schüler geklagt.

Training – Lernatmosphäre
Das Training unterstützt den Lernfortschritt, die Erweiterung der Fähigkeiten und des Könnens. Diese Steigerung des Fertigkeitsniveaus fördert unter anderem das Selbstvertrauen und die Lust am Tennis. Ziel ist es, sich beim Training wohlzufühlen,
wobei auch das eigene Gefühl der Maßstab im Lernprozess ist.

Spieler sollten miteinander trainieren, sich gegenseitig weiterhelfen und unterstützen. In diesem Miteinander darf sich jeder Spieler Schläge wünschen und die Trainingsinhalte mitbestimmen. Training sollte eine konstruktive Lernatmosphäre bieten und in Teamarbeit der Spieler und Trainer geschehen.

Störungen
Nachdem eine Handlung – ein Schlag im Tennis – genügend oft wiederholt wurde, wird sie verinnerlicht und läuft dann als automatischer Prozess ab. Zu den Störungen zählen Emotionen wie Ärger, Wut oder übermässige Gefühlsregungen. Auch Erwartungen oder Ergebnisorientierung stören im Training und beim Wettkampf bei der Durchführung von
Handlungen. Diese Haltung widerspricht der Lernatmosphäre.

Der Trainer
Stimulation – Feedback
Dem Trainer kommt die Aufgabe zu, seinen Schüler zu stimulieren und dessen Handlungen anzuleiten. Feedback und Lob sind nur sehr zurückhaltend einzusetzen. Denn mit
Kommentaren zu Schlägen oder zum Spiel wird das Erleben, das Gefühl und die selbstständige Beurteilung des Spielers beeinflusst.

Persönlichkeit – Empathie
Aufgabe des Trainers ist auch, unterschiedliche Persönlichkeiten zu erkennen und auf sie einzugehen. Individuelle Motivationen und Ziele erfordern eine individuelle Behandlung durch den Trainer und das Umfeld. Verständnis für andere, gegenseitige Hilfe und Teamfähigkeit spielen selbst in einer Einzelsportart wie Tennis eine Rolle.

Die Eltern
Förderung – Verständnis
Die Eltern und das Umfeld eines Spielers sollten fördern, aber nicht fordern. Sie sollen verstehen und miterleben. Eltern sollten die Entwicklung zur Selbstständigkeit mit
Verständnis und Geduld begleiten. Ein Spieler sollte die Unterstützung seines Umfeldes spüren, beziehungsweise darum wissen. Für ein ordentliches Training sind nur der Spieler und der Trainer zuständig. Die Eltern sollten dies verstehen und den Fortschritt ihres selbstständigen, selbst-vertrauenden Spielers mit Interesse verfolgen.

Wettkampf – Verhalten
Während eines Matches sollten die Begleiter positive, unterstützende Signale geben. Das „Ich-bin-für Dich-da-Gefühl“ ist ausreichende Unterstützung während eines Wettkampfes.
Nach einem Match erfolgt die Kommunikation in folgender Reihenfolge:
Zuerst spricht der Spieler über das Match und seine eigenen Gefühle.
Danach sprechen etwaige Beobachter, wie Trainer und Eltern. Ihnen kommt dabei lediglich die Beobachter-Begleiter-Rolle zu – der Spieler muss selbstständig an sich und seiner
Leistung weiterarbeiten.

Tennissport – 3/2007